Vereinsnews
16.03.2026
Liebe Vereinsmitglieder,
der Frühling kommt und damit startet auch die Goethegesellschaft wieder mit vielfältigen Veranstaltungen, zu denen wir Sie gerne begrüßen möchten.
Vielleicht haben Sie auch schon in den Programmflyer für 2026 geschaut, den wir auf unserer Mitgliederversammlung übergeben konnten. Sie finden ihn in der Ilmenau-Information und an anderen Stellen in der Stadt ausgelegt. Wenn Sie auch welche an weiteren Orten auslegen wollen, wenden Sie sich bitte an mich, ich lasse Ihnen dann Exemplare zukommen.
Wir starten mit einer Veranstaltung – zusammen mit der Stadt Ilmenau – am 26. März 2026 um 17 Uhr im GoetheStadtMuseum. Frau Dr. Seemann wird zu Goethes Verlobten Lili Schönemann „Holde Lili, warst so lang, all mein Lust und all mein Sang“ vortragen.
Die Bankierstochter Lili Schönemann (1758-1817) steht im Zentrum dieses Vortrags über Goethes Verlobte des Jahres 1775: 10 Monate voller Liebe, Glück, Einverständnis, dann aber Verwirrung, das Gefühl der Einengung und des Selbstverlusts auf Goethes Seite führen erst zu einer begeistert aufgenommenen Liebesbeziehung der beiden Liebenden, dann zu einer verzweifelten Befreiungsaktion Goethes.
Lili sei es gewesen, die Goethe wirklich geliebt habe – dies schreibt er als alternder Mann in “Dichtung und Wahrheit“. Lilis weiterer Lebensweg als Ehefrau und Mutter, der sich deutlich anhand ihrer auf Französisch verfassten Briefe an ihre Mutter nachvollziehen lässt, zeichnet das Bild einer tapferen, menschlich fühlenden, verständnisvollen und lebensklugen Frau, die sich auch durch Widrigkeiten nicht aus ihrer Bahn werfen ließ.Wir sind sehr gespannt, etwas über diesen frühen Lebensabschnitt Goethes zu erfahren.
Am 29. März 2026 findet von 11 bis 15 Uhr das traditionelle Ostereierblasen im Goethemuseum Stützerbach statt.
Hier können die Kinder eigene Ostereier mit Unterstützung eines Glasbläsers erzeugen und anschließend in der Kulturscheune nach eigenen
Vorstellungen gestalten. Mitglieder unserer Goethegesellschaft bieten einen Imbiss und Getränke an.
Als weiteres Highlight können wir die Ausstellung von Walter Lipfert „Kosmos 2“ ankündigen. Die Vernissage findet am 12. April 2026 um 16 Uhr im Ausstellungsraum des Ilmenauer Finanzamts am Wallgraben im Beisein des Künstlers statt. Walter Lipfert stellt weitere Bilder zum Thema Kosmos vor als Nachfolge seiner ersten Ausstellung im September 2022. Die Ausstellung ist Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr bis zum 8. Mai 2026 geöffnet.
Die nächste Veranstaltung dann findet am 28. April 2026 um 17 Uhr im Parksaal Ilmenau (Festhalle) statt. Wir laden ein zu „Erlkönigs Tochter“, einem Schauspiel-Solo mit A-cappella- Gesang mit sagenhaften Balladen und schaurigen Liedern von Goethe, Schiller, Herder und Bürger, interpretiert von Cora Chilcott. Wer kennt sie nicht, „Die Bürgschaft“? Da tut sich mit wenigen Verszeilen ein spannendes Drama auf, eine schreckliche Tragödie, eine mitreißende Kriminalgeschichte, kunstvoll sprachlich verdichtet, an keiner Stelle langweilig und doch ist sie eine Ballade von zwanzig Strophen. Dichter wie Schiller, Goethe, Bürger und Herder schufen jene Geschichten von treuen Freunden, unerschrockenen Helden und Fabelwesen. Seien Sie neugierig auf Balladen, Sagen und Parabeln in gespielter und gesungener Form.
Cora Chilcot, die von 2001 – 2014 Schauspielerin am BERLINER ENSEMBLE war, mit verschiedensten Schauspiel-Soli u.a. an der Berliner Volksbühne, zur Schillerwoche in Marbach, für die Goethe- Institute Lissabon, Riga, Stockholm, Oslo, zu den Kleist-Tagen in Sarajevo, zum 200. Geburtstag Georg Büchners in Darmstadt und Strasbourg sowie im Auftrag der Deutschen Shakespeare- Gesellschaft und der Klassik Stiftung Weimar aufgetreten ist und auch in Ilmenau mit ihrem Talent schon erfreute.
Der Programmreigen wird am 4. Juni 2026 um 16 Uhr im Haus des Gastes Stützerbach mit dem Vortrag zur „Erdgeschichte vor 258 Ma (Mill. J.) über Homo sapiens, Bronzezeit, Luther, Goethe etc. bis zur Neuzeit“ von Prof. em. Dr. Jörg W. Schneider fortgesetzt. Als Thüringen unterging – vor 258 Millionen Jahren waren da große Teile Europas, und damit auch fast ganz Deutschland, in wenigen Monaten vom Meer überflutet??? Ja, es spricht vieles dafür, dass die Zechstein-Transgression am Ende des Perm vor eben diesen ca. 258 Millionen Jahren eine der raschesten Transgressionen der Erdgeschichte war.
Meeresüberflutungen von großen Teilen der Kontinente hat es in der Erdgeschichte immer wieder gegeben, im Gebiet des heutigen Deutschland zuletzt im Tertiär vor ca. 3 Millionen Jahren. Das waren aber vergleichsweise langsame Meeresvorstöße. Die Zechsteinflut verlief nahezu katastrophenartig rasch, wie unsere Untersuchungen in Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und an der Zechsteinküste in Thüringen zeigen. Neben den noch heute genutzten Kali- und Steinsalzen sowie Gipslagerstätten hinterließ das Zechsteinmeer den Kupferschiefer. Dieser hat seit mindestens
800 Jahren zum wirtschaftlichen und damit kulturellem Aufschwung besonders in Mitteldeutschland beigetragen. Klassisch sind die Kupferschiefer-Bergbaureviere im Umland des Harzes und des Thüringer Waldes.
Natürlich wusste auch Goethe um die Bedeutung dieses Bodenschatzes. Im November 1775 in Weimar angekommen, besichtigte er bereits 1776 die verfallenen Kupferschiefer- Bergwerke in Ilmenau und bemühte sich umgehend, diese wieder in Gang zu setzen und damit dem verarmten Städtchen Ilmenau zu neuer Blüte zu verhelfen. Ab 1777 war Goethe Mitglied und ab 1780 mit nur 30 Jahren Chef der Bergwerkskommission im Großherzogtum. In dieser Eigenschaft kümmerte er sich auch um den Steinkohlenbergbau bei Manebach und veranlasste, dass dort für ihn Pflanzenfossilien geborgen wurden. Auf seine Veranlassung studierte der in Thüringen geborene Johann K.W. von Voigt ab 1776 Geognosie in Freiberg, um sich ab 1782 im Auftrage Goethes als Bergbeamter mit nutzbaren geogenen Rohstoffen in Thüringen zu befassen. Goethes Bemühungen um den Kupferschieferbergbau waren leider nicht von Erfolg gekrönt – 1812, 28 Jahre nach dem Neubeginn, musste aufgegeben werden.
Goethes Resümee: „Ilmenau hat mir viel Zeit, Mühe und Geld gekostet, dafür habe ich aber auch etwas gelernt und mir eine Anschauung der Natur erworben, die ich um keinen Preis umtauschen möchte.“ Die von Goethe auf der Suche nach nutzbaren Rohstoffen und seinem Drang, zu verstehen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Faust Monolog), initiierte geowissenschaftliche Erforschung Thüringens und setzt sich bis heute fort.
Wir freuen uns sehr, wenn wir Sie zu unseren Veranstaltungen begrüßen können.
Für einen zwischenzeitlichen Kontakt bin ich immer gut über meine Mailadresse hpschade@gmx.de zu erreichen.
Zum Abschluss möchten wir Sie noch auf eine interessante Veranstaltung der Stadt hinweisen. Am 3. Mai 1776 kam Goethe auf Geheiß von Herzog Carl-August zum ersten Mal nach Ilmenau. Nach einem beschwerlichen Ritt bei Regen erreichte er, von Weimar kommend, die Stadt. Dies zum Anlass nehmend wird am 3. Mai 2026 „Goethe“ 😉 mit seinem Husar wieder in Ilmenau einreiten. Sie können ihn um 17.30 Uhr vor dem Amtshaus begrüßen.
Lassen Sie sich dieses Event nicht entgehen. Für weitere Informationen zu interessanten Veranstaltungen der Stadt gibt es in der Ilmenau-Information den Flyer zum Jubiläum 250 Jahre Ankunft Goethes. Bleiben Sie weiter gesund, genießen Sie den sich einstellenden Frühling und seien Sie herzlich gegrüßt!
Für den Vorstand der Goethegesellschaft
Prof. Dr. Hans-Peter Schade (i. R.)

